A 96 LIndau - München

Häufig gestellte Fragen zu den Tunneln Eching und Etterschlag


Warum wurden an den beiden Tunnel Eching und Etterschlag Baumaßnahmen durchgeführt?
Um die Jahrtausendwende kam es zu mehreren verheerenden Unfällen in Straßentunneln, die zahlreichen Menschen das Leben gekostet haben (z. B. Mont Blanc Tunnel 1999, Tauerntunnel 1999, Gotthardtunnel 2001). Daraufhin wurde eine europäische Richtlinie mit Mindestanforderungen an die Sicherheit von Tunneln im transeuropäischen Straßennetz erlassen und in Deutschland in die „Richtlinien für die Ausstattung und den Betrieb von Straßentunneln“ (RABT) im Jahr 2006 umgesetzt. Demnach sind alle Tunnel ab einer Länge von 400 Metern sicherheitstechnisch nachzurüsten. Zu diesen Tunneln gehören auch die beiden Tunnel Eching und Etterschlag auf der Bundesautobahn A96.

Welche sicherheitstechnischen Maßnahmen wurden konkret durchgeführt?
Zwischen 2014 bis 2017 hat die Autobahndirektion Südbayern folgende sicherheitstechnischen Nachrüstungsmaßnahmen in den Tunneln umgesetzt:

  • Bau von Fluchttreppenhäusern in den Tunnelmitten, damit im Brandfall eine schnelle Flucht aus der verqualmten Röhre möglich ist. Zur besseren Orientierung wurden zudem taktile Elemente eingebaut. In den Treppenhäusern können auch Menschen mit Handicap Schutz finden.

  • Herstellung einer neuen Löschwasserversorgung, mit der der Feuerwehr im Brandfall sofort ausreichend Löschwasser mit dem notwenigen Druck zur Verfügung steht.
  • Einbau von Handfeuerlöscher zur schnellen Brandbekämpfung durch die Verkehrsteilnehmer.
  • Einbau leistungsfähiger Beleuchtungen und Erneuerung der sonstigen Sicherheitsausstattungen wie CO-Messung, Sichttrübemessung, Tunnellautsprecher, aktive Leiteinrichtung, Fluchtweg- und Orientierungsleuchten, Fluchtweghinweisleuchten, Videoüberwachung und die Notrufnischen. An den Tunnelportalen wurden Bedientableaus für die Feuerwehr und Polizei installiert, damit diese den Verkehr anhalten können, bzw. Informationen über den Brand erhalten.
  • Erneuerung der Entwässerungseinrichtungen, damit bis zu 100 Liter/s (brennende) Flüssigkeiten in den 50 m langen Brandabschnitten in die Havariebecken abgeführt werden können.

  • Außerdem hat die Autobahndirektion Südbayern folgende sicherheitstechnischen Nachrüstungsmaßnahmen an den Tunnelzulaufstrecken durchgeführt:

    • Bau einer Verkehrsbeeinflussungsanlage bestehend aus 20 Schilderbrücken mit Wechselverkehrszeichen. Mit dieser Verkehrstechnik können Verkehrsteilnehmer rechtzeitig über besondere Ereignisse im Tunnel (z. B. Brand, Unfall, Stau) informiert und beeinflusst werden.
    • Anpassung der Fahrzeugrückhaltesysteme (Schutzplanken) an die Tunnelportale und Tunnelzulaufstrecken.


  • Bau von Höhenkontrollen an den Tunnelzuläufen.


  • Warum gibt es die Höhenkontrollen?
    Höhenkontrollen sind aus Sicherheitsgründen zwingend erforderlich. Nur so können Fahrzeuge, die zu hoch beladen sind, vor den Tunneln erkannt und dadurch Beschädigungen der Tunnel und infolgedessen massive Gefährdungen der Verkehrssicherheit - beispielsweise durch herabfallende Einrichtungsteile - verhindert werden. Gerade Tunnelunfälle sind äußerst gefährlich und müssen mit allen Mitteln verhindert werden.
    Vor der sicherheitstechnischen Nachrüstung war in beiden Tunneln keine Höhenkontrolle vorhanden. Hierdurch kam es im Bereich der Tunnelröhren regelmäßig zu Beschädigungen an den betriebs- und verkehrstechnischen Tunneleinrichtungen.

    Bei welcher Fahrzeughöhe werden die Höhenkontrollen ausgelöst?
    Die Höhenkontrollen sind auf eine Höhe von 4,40 Meter eingestellt. Gemäß Straßenverkehrszulassungsordnung dürfen Lkw (ohne Sondergenehmigung) nur bis zu einer Höhe von maximal 4,00 m die Autobahn befahren. Damit löst die Höhenkontrolle erst aus, wenn die maximal zulässige Fahrzeughöhe um rund 40 cm überschritten ist!


    Warum wird die Höhenkontrolle nicht höher gesetzt?
    Die Innenhöhe (lichte Durchfahrtshöhe) der Tunnel wird durch die sicherheitstechnischen Einbauten an der Tunneldecke begrenzt. Der noch geringe verbleibende Sicherheitsspielraum zwischen der Oberseite der überhohen Fahrzeuge und Tunneldecke wird benötigt, da Pendelbewegungen (Federungsschwankungen) von Großfahrzeugen jederzeit auftreten können. Damit besteht kein weiterer Spielraum für eine Höhersetzung der Kontrollhöhe. Nur so kann die Tunneleinrichtung geschützt und die Verkehrssicherheit im Tunnel gewährleistet werden.

    Was passiert, wenn die Höhenkontrolle auslöst?
    Nach dem Auslösen der Höhenkontrolle schalten die Ampeln an den Tunnelportalen auf Rot. Die Tunnel bleiben bis zum Eintreffen der Polizei und anschließender Freigabe gesperrt. Dadurch kommt es leider immer wieder zu Staus vor den Tunneleinfahrten. Das Fahren mit zu hoher Ladung auf der Autobahn ist grundsätzlich eine bußgeldbewehrte Ordnungswidrigkeit. Die Polizei entscheidet vor Ort, ob das überhohe Fahrzeug abgesenkt und mit verminderter Geschwindigkeit durch den Tunnel fahren kann oder vor den Portalen umkehren muss.

    Wird ausreichend auf die Höhenkontrolle hingewiesen?
    Ja. Die Autobahndirektion Südbayern hat nach anfänglich häufigen Auslösungen der Höhenkontrolle zusätzliche Schilder an den benachbarten Anschlussstellen aufgestellt sowie mit großflächigen Warntafeln mit Blinklicht vor den Tunneleinfahrten die zulässige Durchfahrtshöhe verdeutlicht.
    Da die Höhenkontrolle häufig auch von regionalen Fahrzeugen ausgelöst wurde, hat die Autobahndirektion 80 Firmen aus der Region kontaktiert und auf die Thematik hingewiesen. Auch über die Medien wurde an die Verkehrsteilnehmer appelliert, ihre Fahrzeuge nicht zu hoch zu beladen.

    Gibt es in anderen Tunnel ebenfalls Höhenkontrollen?
    Ja, Höhenkontrollen vor Tunneln gibt es regelmäßig (z. B. A99 Tunnel Aubing). Auch dort kommt es immer wieder zu Sperrungen aufgrund überhoher Fahrzeuge.